MITTELALTER / GEGENWART

Organa, Conductus, Hymnen und Psalmen des Mittelalters im Kontrast zu zeitgenössischen Kompositionen, die für das Ensemble von Martin Daske, Thomas Gerwin, Ralf Hoyer, Mayako Kubo, Gwyn Pritchard, Friedrich Schenker geschrieben wurden.

Es sang vor langen Jahren 
Vokalkompositionen von Arvo Pärt, Morton Feldman und John Cage

Im Mittelpunkt stehen Werke des estnischen Komponisten Arvo Pärt (* 11. September 1935 in Paide), der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag begeht und der die Neue Musik entscheidend geprägt hat. Nach einer Phase in den 60-er Jahren mit Kompositionen in Zwölfton- und Collagetechnik hat Pärt nach einer langen schöpferischen Pause einen ganz persönlichen Stil entwickelt. Seine ruhig fließenden und mit längeren Pausen versehenen Stücke gehen unter anderem auf die Beschäftigung mit Gregorianischen Chorälen und mehrstimmigen Kompositionen der Renaissance zurück.

Der langsame Pulsschlag der Werke – gleichsam der Zeit enthoben – schafft eine Atmosphäre dichter Konzentration. Die bewusste Abfolge von Konsonanzen und Dissonanzen, die häufig repetitiv mit wenigen Tönen erzeugt werden, haben eine starke klang-magische Wirkung auf den Hörer, sofern er sich auf die Musik einläßt. Allen Stücken ist eine innere Ruhe eigen und das Ziel dieses Stils ist eine Reduktion des Klangmaterials auf das absolut Wesentliche.

NO EXIT - Kunstaktion mit Sharam Entekhabi und VOX NOSTRA
Das Projekt „No Exit “ ist eine Kollaboration zwischen dem Künstler Shahram Entekhabi und dem "Vox Nostra". Shahram Entekhabi und Vox Nostra sind gleichermaßen aktive Protagonisten der performativen Intervention. Entekhabi errichtet im Innenraum der Kirche eine mauerartige "Architektur", in dem er das Absperrband – gehalten von zwei Trägern – hin und her spinnt, so dass eine ephemere Barriere im Raum entsteht. Einerseits entsteht durch die Aktion von Entekhabi eine Trennung zwischen dem Publikumsraum und dem Aktionsraum des Ensembles – in Anlehnung an die Tradition der Unterscheidung von Profan- und Sakralraum in den Kirchen und Kathedralen des Mittelalters. Andererseits sind die Mitglieder des Ensembles während des Singens in Handlungen gefangen, die an reduzierte alltägliche Handlungen erinnern und auf den Prozess des Wartens verweisen. Auf diese Weise impliziert die Aktion zum einen den schmerzlichen Prozess der Trennung von Mensch und Gott/Religion/Kirche, die mit den Schriften Ludwig Feuerbachs ihren Höhepunkt hatte und den Schöpfungsmythos in sein Gegenteil verkehrten, so dass der Mensch Gott "nach seinem Bilde" erschuf, oder auch Nietzsches Existenzphilosophie. Zum anderen thematisiert sie in Form der Stilisierung des Wartens die ununterbrochene Suche und Hoffnung auf Erlösung.  www.entekhabi.org/htm/no-exit.html